Herausforderung Fernbeziehung
Wie – Du willst in der Firmenhauptstelle eine Stelle zur Weiterentwicklung Deiner Karriere
annehmen? Oder „Endlich hat es wirklich gematcht, aber 500 km liegen zwischen uns!“
Seit einigen Jahren nutzen sehr viele Menschen jeden Alters die Möglichkeit der Partnersuche
über das Internet. Als Folge davon ist auch die Anzahl der geführten Fernbeziehungen
angestiegen. Diese Form der Beziehung ist nicht mehr mit einer Liebesbeziehung im
traditionellen Stil zu vergleichen.
Dem verliebten Paar steht der gnadenlose Alltag mit wiederkehrenden Trennungen und nur wenig
gemeinsamer Zeit entgegen und nicht jeder ist diesen zusätzlichen Beziehungsthemen
gewachsen.
Eine Fernbeziehung zu führen ist eine Herausforderung an die Beziehung selbst.
Themen wie Sehnsucht, Vertrauen, innere Nähe vs. Entfernung in km sind immer wieder auf der
Tagesordnung. Verbindende schöne Momente können in der Freizeit erlebt werden – der Alltag
im Studium oder Job mit den vielen Anforderungen sieht eine Umarmung beim Heimkommen oder
eine gemeinsame Freizeitgestaltung am Abend eigentlich nicht vor. So wird das Gefühl des
Getrenntseins mit zahlreichen Memos, Videofilmen, Face-Time-Anrufen bekämpft – was bleibt
ist nach Beendigung des gemeinsamen Chats trotzdem das Gefühl wieder ALLEIN oder getrennt zu
sein.
Ob eine Fernbeziehung gelingt und sich trägt oder nicht hängt von vielerlei Faktoren ab.
Zuerst natürlich von den Charakteren der Betroffenen. Kann die PartnerIn verstehen, dass man
neben der Fernbeziehung auch noch das Leben vor Ort wie bisher weiterführen möchte? Treffen
mit Kollegen oder Mitstudenten in der Woche zerstreuen und machen die Sehnsucht nach dem
Partner erträglich. Hobbys ausüben – sein eigenes Leben weiterführen: Ich hier und Du dort.
Doch wieviel Verständnis bringt der entfernte Partner mit, wenn ich am geplanten Wochenende
dann aus irgendwelchen Gründen (beruflich / Klausuren/ Erkrankung usw.) nun doch nicht zu
ihr/ihm fahren kann?
Wie hoch ist die beidseitige Frustrationstoleranzgrenze bei Enttäuschung? Verständnis oder
Frust? Hinterfragt er/sie die Gründe? Unsicherheit, Eifersucht kommt auf? Wohin mit den
Gefühlen?
Und da sind auch noch die langjährigen Paare, die sich plötzlich aus beruflichen Gründen in
der Situation sehen eine Fernbeziehung führen zu müssen. Flexibilität im Beruf ist zunehmend
wichtiger für die Karriere! Ein paar Jahre in der Außenstelle in Brüssel oder ein paar
Monate in die Hauptgeschäftsstelle 800 km entfernt mit der Verlockung „sich beruflich weiter
entwickeln zu können“ – das wird schon mal gehen – man sieht sich eben am Wochenende mal
hier mal dort – geht das wirklich gut? Gnadenlos wird sich zeigen, wieviel von der Liebe,
die zu Beginn der Beziehung so wunderbar war – überhaupt noch da ist! Beziehungen
unterliegen einem Wachstumsprozess. Sie verändern sich mit der Zeit und mit den
Anforderungen.
Was zu Beginn natürlich aufgrund der Verlockung zur beruflichen Chance als durchaus zu
bewältigen aussieht kann sich schnell zu einem großen Problem in der Beziehung entwickeln,
wenn die Trennung unterschätzt wurde. Steht der/die PartnerIn auch hinter dem Wunsch,
beruflich wachsen zu können oder macht SIE/ER notgedrungen gute Miene zur getroffenen
Entscheidung?
Merkt der zurückgebliebene Partner plötzlich, dass es auch sehr gut ohne den/die Andere/n
geht? Wird diesem Gedanken Raum gegeben oder weggeschoben?
Wie kann eine Fernbeziehung überhaupt funktionieren?
Es gibt einige sehr gute psychologische Werkzeuge, die helfen Fernbeziehungen „zu
überstehen." Wie können die Betroffenen der Beziehung eine Chance geben an dieser
Herausforderung zu wachsen, eine neue Qualität oder Tiefe zu geben? Oder wie im obigen
Beispiel: wie kann die Beziehung erst einmal in guter Erinnerung bleiben und nicht durch
Tiefe und Dauer der Trennung zerstört werden?
Beide Partner sollten sich der Herausforderung „Fernbeziehung" bewusst gestellt sehen und
den Willen haben die Beziehung weiter zu führen, Vertrauen, Ehrlichkeit und Offenheit zu
bewahren, eigene Gefühle wahrzunehmen und zu kommunizieren, beider Bedürfnisse wahrzunehmen
und zu kommunizieren – das Beziehungsschiff gemeinsam auf Kurs zu halten.
Manchmal braucht es professionelle Hilfe hierfür. Warten Sie nicht zulange, wenn Sie in
Ihrer Fernbeziehung merken, dass es zunehmend schwierig wird. Ein unterstützendes
Paarcoaching kann sehr gut online gefühlt werden, so dass beide Partner an diesem Gespräch
teilnehmen können und Probleme der Kommunikation ist die Basis für ein vertrauensvolles
Miteinander – so findet man die Nähe zum Partner (wieder) – auch über die Ferne.
Sabine Schwarz,
Heilpraktikerin für Psychotherapie und Systemisch integrative Paartherapeutin
18.12.2025